AC, DC oder Schnellladung? Alle Lademöglichkeiten erklärt

Wer zum ersten Mal ein Elektroauto kauft oder sich damit beschäftigt, stösst schnell auf eine Flut von Begriffen: AC, DC, Typ 2, CCS, CHAdeMO, Wallbox, Schnellladesäule. Das klingt komplizierter, als es ist. Die Lademöglichkeiten für Elektroautos in der Schweiz lassen sich mit ein bisschen Grundwissen leicht einordnen — und nach diesem Leitfaden wissen Sie genau, welche Option wann sinnvoll ist.

Was bedeuten AC und DC beim Laden?

Bevor wir die einzelnen Lademöglichkeiten durchgehen, braucht es eine kurze technische Grundlage.

AC steht für Alternating Current — auf Deutsch: Wechselstrom. Das ist der Strom, der aus jeder Haushaltssteckdose kommt. Das Stromnetz in der Schweiz liefert grundsätzlich Wechselstrom.

DC steht für Direct Current — auf Deutsch: Gleichstrom. Die Batterie eines Elektroautos speichert und nutzt ausschliesslich Gleichstrom.

Das bedeutet: Beim AC-Laden muss der Strom zunächst im Fahrzeug selbst umgewandelt werden. Dafür ist ein eingebauter Wechselrichter (Onboard-Charger) zuständig. Dessen maximale Leistung bestimmt, wie schnell das Auto über AC laden kann — unabhängig davon, wie leistungsstark die Ladestation ist.

Beim DC-Laden übernimmt die externe Ladestation die Umwandlung. Der Gleichstrom fliesst direkt in die Batterie, weshalb deutlich höhere Ladeleistungen möglich sind.

Kurz gesagt: AC-Laden ist alltagstauglich und günstig, DC-Laden ist schnell und ideal für unterwegs.

Die drei wichtigsten Lademöglichkeiten im Überblick

Die Lademöglichkeiten für Elektroautos in der Schweiz lassen sich in drei Hauptkategorien einteilen:

1. Haushaltssteckdose (Schuko / T13)

Die einfachste, aber auch langsamste Option. Jedes Elektroauto lässt sich mit einem Notladekabel an einer normalen Steckdose laden.

• Ladeleistung: ca. 2,3 kW

• Ladezeit für 60-kWh-Akku: rund 26 Stunden

• Geeignet für: absolute Notfälle oder sehr kurze tägliche Strecken

Diese Methode ist nicht für den Dauereinsatz empfohlen. Eine Haushaltssteckdose ist nicht für kontinuierliche Hochlastbetrieb ausgelegt, was auf Dauer zu Wärmeentwicklung und erhöhtem Verschleiss führen kann.

2. AC-Wallbox oder öffentliche AC-Ladesäule

Die Wallbox ist die Standardlösung für zuhause oder am Arbeitsplatz. Sie wird fest installiert und bietet deutlich mehr Leistung als eine normale Steckdose.

• Ladeleistung: 3,7 kW bis 22 kW (je nach Wallbox und Fahrzeug)

• Ladezeit für 60-kWh-Akku: ca. 3–16 Stunden

• Anschluss: Typ 2 (in der Schweiz und ganz Europa Standard)

• Geeignet für: nächtliches Laden zuhause, Laden am Arbeitsplatz, Einkaufszentren

Die meisten Elektroautos unterstützen einphasiges Laden mit bis zu 7,4 kW oder dreiphasiges Laden mit bis zu 11 kW oder 22 kW. Welcher Wert gilt, hängt vom Onboard-Charger des Fahrzeugs ab.

3. DC-Schnellladesäule

Hier wird das Fahrzeug direkt mit Gleichstrom versorgt. Die Ladezeiten sind drastisch kürzer.

• Ladeleistung: 50 kW bis über 350 kW

• Ladezeit für 60-kWh-Akku (auf 80 %): ca. 20–45 Minuten

• Anschluss: CCS (Combo 2), CHAdeMO oder Tesla Supercharger

• Geeignet für: Langstreckenfahrten, Reisen durch die Schweiz, kurze Ladepausen

Wichtig: Die tatsächliche Ladeleistung hängt immer vom Fahrzeug ab. Ein Auto, das maximal 100 kW DC laden kann, wird an einer 350-kW-Säule trotzdem nur 100 kW abrufen.

Ladeanschlüsse: Typ 2, CCS, CHAdeMO und Co.

Ein häufiger Stolperstein für Einsteiger sind die verschiedenen Steckertypen. Hier ist eine kompakte Übersicht:

• Typ 2 (Mennekes): Der europäische Standard für AC-Laden. Nahezu alle Elektroautos in der Schweiz und Europa haben diesen Anschluss. Wallboxen und öffentliche AC-Ladesäulen nutzen ihn.

• CCS (Combined Charging System / Combo 2): Der europäische Standard für DC-Schnellladen. Er kombiniert den Typ-2-Anschluss mit zwei zusätzlichen DC-Kontakten. Heute das dominierende Format für Neuwagen in Europa.

• CHAdeMO: Ein älterer DC-Standard, ursprünglich von japanischen Herstellern (Nissan, Mitsubishi) eingeführt. Findet sich noch an vielen öffentlichen Schnellladesäulen in der Schweiz, verliert aber gegenüber CCS zunehmend an Bedeutung.

• Tesla Supercharger: Proprietäres Netz von Tesla. Neuere Supercharger (ab V3) nutzen in Europa den CCS-Anschluss, ältere Stationen haben einen Tesla-eigenen Stecker. Seit 2023 öffnet Tesla sein Netz schrittweise auch für Fremdmarken.

Was bedeutet das für mich?

Wenn Sie ein modernes Elektroauto in Europa kaufen, haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit:

1. Einen Typ-2-Anschluss für AC-Laden

2. Einen CCS-Anschluss für DC-Schnellladen

CHAdeMO-Fahrzeuge werden seltener, sind aber immer noch weit verbreitet. Prüfen Sie beim Fahrzeugkauf, welche Anschlüsse verbaut sind — das entscheidet, welche Ladesäulen Sie nutzen können.

Welche Ladeleistung brauche ich wirklich?

Die grösste Zahl ist nicht automatisch die beste Wahl. Hier ist, wie Sie den eigenen Bedarf realistisch einschätzen:

Für das tägliche Laden zuhause

Eine Wallbox mit 11 kW ist für die allermeisten Haushalte völlig ausreichend. Wer täglich 50–80 km fährt, lädt über Nacht problemlos auf — selbst mit einer 7,4-kW-Wallbox.

Eine 22-kW-Wallbox bringt nur dann einen echten Vorteil, wenn das Fahrzeug dreiphasig mit 22 kW laden kann. Viele Autos sind auf 11 kW begrenzt, weshalb die teurere 22-kW-Station keine zusätzliche Geschwindigkeit bringt.

Für Langstrecken und Reisen

Hier kommt die DC-Schnellladung ins Spiel. Für Fahrten durch die Schweiz oder ins Ausland ist ein Fahrzeug mit hoher DC-Ladeleistung (100 kW+) ein klarer Vorteil. Eine Ladelpause von 20–30 Minuten an einer Schnellladesäule reicht oft, um Reichweite für weitere 200–300 km zu laden.

Faustregel

| Nutzungsszenario | Empfohlene Ladeoption |

|---|---|

| Täglich zuhause | Wallbox 7,4–11 kW (AC) |

| Arbeitsplatz / Einkauf | Öffentliche AC-Säule 11–22 kW |

| Langstrecke / Autobahn | DC-Schnellladesäule 50–350 kW |

| Notfall | Haushaltssteckdose |

Welcher Ladetyp ist für welche Situation am besten?

Es gibt keine universell richtige Antwort — es kommt auf den Alltag an. Hier sind die häufigsten Situationen:

• Sie fahren täglich zur Arbeit und haben eine Garage: Eine Wallbox zuhause genügt für 90 % Ihrer Ladevorgänge. DC-Schnellladung brauchen Sie selten.

• Sie wohnen in einer Mietwohnung ohne eigenen Stellplatz: Öffentliche AC-Ladesäulen in der Nähe oder am Arbeitsplatz werden Ihr Hauptladeort. Ergänzend nutzen Sie DC-Säulen für längere Fahrten.

• Sie fahren regelmässig lange Strecken: Ein Fahrzeug mit hoher DC-Ladeleistung und CCS-Anschluss ist wichtig. Planen Sie Ladestopps an Schnellladesäulen ein.

• Sie nutzen das Auto selten und kurz: Selbst eine einfache Wallbox oder gelegentliches öffentliches Laden reicht vollkommen aus.

Öffentliche Ladeinfrastruktur in der Schweiz

Die Schweiz hat eine der dichtesten Ladeinfrastrukturen Europas. Einige nützliche Fakten:

• Das Netz wächst kontinuierlich: Über 10 000 öffentliche Ladepunkte sind schweizweit verfügbar (Stand 2024).

• Grosse Anbieter wie Migros, Lidl, Coop, MOVE (SBB) und Fastned betreiben Ladesäulen an strategisch günstigen Standorten — Bahnhöfen, Einkaufszentren und Autobahnraststätten.

• Die meisten Schnellladesäulen entlang der Schweizer Autobahnen bieten CCS und CHAdeMO an, oft mit Leistungen zwischen 50 und 150 kW.

• Zum Bezahlen nutzen Sie je nach Anbieter eine App, eine RFID-Karte oder einfach eine Kreditkarte direkt am Terminal. Roaming-Lösungen wie Plugsurfing oder MONTA ermöglichen das Laden bei verschiedenen Anbietern mit nur einer Karte oder App.

Nützliche Apps für die Schweiz

1. chargEV (EWZ)

2. Plugshare (netzwerkübergreifende Karte)

3. MOVE by SBB

4. A Better Routeplanner (ABRP) — ideal für Routenplanung mit Ladestopps

Fazit: Die richtige Lademöglichkeit für Ihren Alltag

Die Lademöglichkeiten für Elektroautos in der Schweiz sind vielfältig, aber nicht überwältigend — sobald man die Grundbegriffe kennt. AC-Laden über eine Wallbox ist die wirtschaftlichste und praktischste Lösung für den Alltag. DC-Schnellladung ist der Turbo für unterwegs und macht Langstrecken entspannt planbar. Und die normale Haushaltssteckdose bleibt eine sinnvolle Notfallreserve.

Der entscheidende nächste Schritt: Schauen Sie in die technischen Daten Ihres Fahrzeugs (oder des Wunschfahrzeugs) und prüfen Sie, welche Ladeleistungen und Anschlüsse unterstützt werden. Damit können Sie gezielt die passende Wallbox auswählen und wissen sofort, welche öffentlichen Ladesäulen für Sie geeignet sind.

Wer zuhause eine Wallbox installieren möchte, sollte ausserdem frühzeitig mit einem Elektriker sprechen — die richtige Absicherung und eventuell ein Lastmanagementsystem machen den Unterschied zwischen einer sicheren, effizienten Anlage und unnötigen Problemen.

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